Bevölkerungsschutz - Eins meiner Big Five - Themen
In meinem Blog mit dem Titel „Köhlers Klartext“ schreibe ich Ihnen erwartungsgemäß offen und ehrlich. So, wie Sie das von mir kennen. Heute beschreibe ich Ihnen Umstände, die ich für besonders wichtig halte.
Bitte: Lesen Sie den Artikel unbedingt bis zu Ende. Der Abschluss des Artikels ist wirklich wichtig!
Nach mehreren Jahren Erfahrung hier im Amt und mit Blick auf die Realitäten hat für mich das Thema Bevölkerungsschutz in seinen aufgefächerten Themenfeldern eine besonders hohe Bedeutung. Er gehört zu meinen „Big Five“ meiner Prioritäten im Amt.
Blicken wir auf diese Realität.
In zunehmender Drehgeschwindigkeit haben nicht nur wir Bundesbürger es zu tun mit diesen Herausforderungen:
- Folgen des Klimawandels. Diese drücken sich für uns alle spürbar z.B. in häufigeren und stärkeren Hochwasser- und Starkregenlagen aus. Mit Trockenheit, Hitze und der damit verbundenen Brandgefahr.
- Energiemangellagen. Zuletzt hat der Krieg in der Ukraine und der im Iran gezeigt, dass unsere Abhängigkeitsverhältnisse bei der Energieversorgung zu Problemen führen können. Die Preisentwicklung ist da noch das Kleinere des Denkbaren. Versorgungsengpässe und hybride Kriegsführung auf unsere deutsche Infrastruktur ist die Realität. Sie findet statt. Was ist, auch bei uns auf dem Land, wenn es zu länger anhaltenden Versorgungsengpässen kommen sollte oder sogar zum Ausfall, beispielsweise in der Stromversorgung?
-
Weltpolitische Lage. Dabei geht es z.B. um internationale Fluchtbewegungen, die auch in unserer Gegend ankommen können.
Darüber hinaus lauten Erkenntnisse der Nachrichtendienste: „Wir sind nicht mehr im Frieden, aber auch noch nicht im Krieg“. Wie bitte? Ja. Der jetzt erarbeitete „Operationsplan Deutschland“ zeigt, in welche Szenarien wir uns in Deutschland, und damit auch in der Gemeinde Sibbesse hineindenken müssen. Die Älteren von uns werden sich an die Sensibilisierung der Bevölkerung aus Zeiten des Kalten Krieges erinnern. Für jüngere Menschen ist es hingegen völlig neu, sich mit Gedanken einer Kriegslage in Europa auseinandersetzen zu müssen. Wir sehen es seit Jahren in der Ukraine.
Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels komme ich gerade vom Besuch der „Interschutz“ zurück. Der Welt-Leitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Sowohl die niedersächsische Innenministerin als auch diverse Sprecher der Fachvorträge, die ich besuchte, bestätigten, dass diese drei Themen in Sachen Bevölkerungsschutz zu den großen Herausforderungen unserer Zeit gehören. Mit meiner Einschätzung der Schwerpunkte liege ich sehr offensichtlich richtig.
Selbstverständlich glauben wir an das Gute und blicken optimistisch nach vorn.
Dennoch halte ich es für richtig, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten vorbereitet zu sein.
Ich blicke auf eine langjährige Berufserfahrung im Bundesgrenzschutz zurück, der heutigen Bundespolizei. Wenngleich diese schon sehr viele Jahre zurückliegt, ist aus dieser Zeit die persönliche Einstellung geblieben, sich stets vorzubereiten. So wie es eben geht. Auf das, was denkbar ist. Was hoffentlich nie eintritt. Und wenn es dann anders kommt als vorbereitet ist, muss man in der Lage sein, spontan zu improvisieren. Nichts wird perfekt sein können. Aber wir alle sollten uns Gedanken machen, was wir zu unserem Schutz in den oben genannten drei völlig unterschiedlichen Themenfeldern beitragen können.
Wer muss sich vorbereiten?
Dazu finden Sie am Ende dieses Artikels klare Worte von mir. Verpassen Sie diese nicht.
Zunächst zurück zu uns hier in Sibbesse:
Wenn wir über große Krisen, Katastrophenlagen oder mehr nachdenken ist uns klar, wir sind nicht der Katastrophenschutz oder die Bundeswehr und wir können auch nicht direkt auf diese Kräfte zugreifen. Diese Kräfte unseres Staates sind lageabhängig für den entsprechenden Einsatz aufgestellt.
Uns allen ist bewusst, wir sind die Gemeinde Sibbesse mit unseren Strukturen der Ländlichkeit. Fernab von großen urbanen Ballungsräumen. Wir haben eine Freiwillige Feuerwehr in unseren Dörfern, deren ehrenamtliche Kräfte aus unserer Mitte sich motiviert und engagiert für uns einsetzen. Als Feuerwehrleute.
Von fachlicher Seite in höherer Hierarchiestruktur des Feuerwehrwesens angesiedelt höre ich wiederholend, unsere Einsatzkräfte der Gemeinde sind in Summe hervorragend ausgebildet!
Für das Feuerwehrwesen.
Danke an dieses Engagement von Menschen aus unserer Gemeinde!
Für die Bewältigung von solch riesigen Lagen wie oben beschrieben sind andere Kräfte in unserem Staatsgefüge geschaffen worden, als wir sie einbringen. Das ist völlig klar.
Aber dennoch ist uns allen ebenso klar, dass wir bei den drei oben beschriebenen Herausforderungen hier vor Ort betroffen sind und damit auch berührt damit, diesen Lagen zu begegnen. Das machen nicht vollumfänglich andere für uns. Wir müssen unseren Eigenschutz in den drei Szenarien stets bestmöglich vorbereiten.
Seien Sie beruhigt!
Wir alle, auch hier in Sibbesse, sind in Summe längst vorbereitet. Und das gut. Wir können den Folgen des Klimawandels grundsätzlich begegnen. Das Hochwasserschutzkonzept geht in viel zu langsamen Schritten vorwärts. Aber es geht vorwärts. Im Überschwemmungsfall leisten unsere ehrenamtlichen Feuerwehrleute Großartiges für uns.
Bereits zum damaligen Beginn des Ukraine-Krieges wurde kreisweit ein Plan für das Verhalten bei Energiemangellagen erarbeitet.
Und Bevölkerungsschutzkonzepte bei noch schwerwiegenderen Lagen liegen bei den zuständigen Stellen vor.
Mein Ansatz ist aber der:
In Sachen Bevölkerungsschutz muss immer wieder geprüft werden, wo wir bestehende Konzepte verbessern können und ob wir als Gemeinde Sibbesse alles getan haben, um das planerische Gesamtgefüge mit anderen Behörden von unserer Seite aus voll befüllt haben. Dem Guten, was wir bereits haben, muss stets eine hohe Aufmerksamkeit gegeben werden. Wir alle müssen uns ständig überprüfen, ob das, was wir zum eigenen Schutz bereits leisten, immer noch ausreicht. Das ist eine Arbeit, die niemals zu Ende sein kann.
Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens sagte sinngemäß, „Dazu bedarf es nicht allein Fahrzeuge und Förderprogramme, sondern auch Organisationsmanagement, Training und Praxis.“
Den Gedanken teile ich voll und ganz. Wir müssen dafür sorgen, dass unser Organisationsmanagement, Training und Praxis im Rahmen dessen, was wir als ländliche Gemeinde leisten können, immer auf einem hohen Niveau gewährleistet ist.
Ich wiederhole: Wir sind bereits gut! Unser Anspruch muss es aber sein, im breiten Bereich Bevölkerungsschutz immer nach Raum zur Verbesserung zu suchen.
Wer muss sich vorbereiten?
Es kann sein, dass es nun für manch einen unbequem wird. Dennoch können Sie immer klare und ehrliche Worte von mir erwarten. Das ist mein Amtsverständnis.
Der Staat leistet in Sachen Bevölkerungsschutz viel für seine Bürgerinnen und Bürger. Dass es konkret beim Hochwasserschutz nicht in der Geschwindigkeit vorangeht, wie es dringend erforderlich ist, ärgert auch alle, die hiermit befasst in Verantwortung sind, und damit auch mich. Aber es geht voran. Auch das ist Tatsache. Oben beschrieb ich, wie hier vor Ort in den drei wesentlichen Krisenlagen bereits vorgesorgt wird.
Der Staat ist aber keine Vollkaskoversicherung für sämtliche Lebenslagen.
Es ist jedem klar, dass das Leben im Fall einer der drei genannten Krisen nicht völlig unberührt weitergeht, während der Staat für Abhilfe sorgt. Folglich sind wir, die Bevölkerung, auch in der Gemeinde Sibbesse, gut beraten, uns für Krisenlagen selbstverantwortlich bestmöglich vorzubereiten.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bietet eine kostenlose Infobroschüre dazu an. Als pdf können Sie sie hier runterladen. Ich empfehle Ihnen aber dringend, ein gedrucktes Exemplar in Ihrem Haushalt griffbereit zu haben. Sie erhalten Sie kostenlos bei uns im Sibbesser Rathaus unten im Flur im Prospektständer. Sollte Sie dort bereits vergriffen sein, fragen Sie rechts im Bürgerbüro nach.
Zum Schluss möchte ich Ihnen einen wichtigen Gedanken mitgeben:
Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben, sollen Sie nicht in Sorge verfallen. Im Gegenteil.
Wir leben in einem vergleichsweise sehr sicheren Land, in einer starken Region und in einer Gemeinde mit engagierten Menschen. Unsere Feuerwehren, Hilfsorganisationen und die Verwaltung leisten jeden Tag ihren Beitrag dazu, dass wir gut aufgestellt sind. Darauf dürfen wir vertrauen.
Gleichzeitig gehört es zu einer verantwortungsvollen Haltung, sich auf das vorzubereiten, was denkbar ist – auch wenn wir alle hoffen, dass es niemals eintritt. Das gilt für Staaten, für Kommunen und ebenso für jeden einzelnen Haushalt.
Wer vorsorgt, handelt nicht aus Angst. Er handelt aus Vernunft.
Deshalb meine Bitte an Sie: Nutzen Sie die Informationen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Prüfen Sie in Ruhe, ob Sie und Ihre Familie für einige Tage ohne Einkauf, Strom oder gewohnte Abläufe zurechtkommen würden. Kleine Schritte helfen schon weiter.
Und dann hoffen wir gemeinsam, dass wir all diese Vorbereitungen niemals brauchen werden.
Die beste Vorsorge ist am Ende diejenige, die vorhanden ist, aber niemals zum Einsatz kommen muss.
Ihr
Hans-Jürgen Köhler
Bürgermeister der Gemeinde Sibbesse